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EAT+CHANGE

Ernährung als alltagspraktische Transformation: partizipativ forschen und gemeinsam für einen sozial-ökologischen Wandel lernen

Das partizipative Forschungsprojekt „EAT+CHANGE“ verschränkte Anliegen der Fachdidaktik für Geographie und wirtschaftliche Bildung mit Perspektiven der Humangeographie: Es befasste sich mit der Frage, wie junge Menschen (nicht-)nachhaltige Ernährung im Alltag erleben, aushandeln und gestalten – und wie sich transformatives Lernen in diesem Zusammenhang anbahnen lässt. Im Zentrum standen praxistheoretische Überlegungen zu Ernährung als sozial eingebettete Routine sowie die partizipative Forschungsmethode Photovoice, die es Schülerinnen und Schülern ermöglicht, ihren Ernährungsalltag fotografisch zu erkunden, zu reflektieren und gemeinsam systemische Veränderungspotenziale hin zu mehr Nachhaltigkeit auszuloten.

Die partizipative Forschung war als Design-based Research konzipiert: Über drei Design-Zyklen hinweg wurde mit drei Grazer Mittelschulen kooperiert, wobei Grundlagenforschung, Schulpraxis und ko-konstruktive Entwicklung von Lernmaterialien miteinander verschränkt wurden. Entsprechend war die Zusammenarbeit mit Lehrpersonen zentral für das Gelingen des Projekts: Sie begleiteten die partizipative Forschung zusammen mit dem akademischen Projektteam und trugen zur Anpassung und Weiterentwicklung der Forschungs- und Lernmaterialien bei, sodass ca. 100 Schülerinnen und Schüler im Projekt möglichst selbstständig forschen konnten.

Die Schülerinnen und Schüler wirkten als Co-Forschende umfassend am Projekt mit. Sie entwickelten eigene Fragestellungen, erhoben visuelle Daten in Form von Fotografien, werteten ihre Daten in Gruppendiskussionen aus und präsentierten ihre Forschungsergebnisse einem Zielpublikum in Ausstellungen. Die partizipative Forschung zeigte, dass Ernährung im Alltag der Jugendlichen sowohl persönliche, soziale, kulturelle als auch räumliche Dimensionen umfasst. Sichtbar wurden Routinen häuslicher und schulischer Ernährung, genderspezifische Muster, Einflüsse von Peers und Familie sowie der Wunsch nach gesunden, nachhaltigen und leistbaren Optionen im Alltag. Durch die dialogische Arbeit mit Fotos wurden kritische Perspektiven auf das Lebensmittelsystem, eigene Handlungsmöglichkeiten und strukturelle Barrieren erkennbar. Die Beteiligung unterstützte zudem Reflexionsprozesse, Selbstwirksamkeitserfahrungen und die Entwicklung eigener Transformationsideen.

Im Rahmen des Citizen Science Award 2024 wurden die im Projekt erprobten Materialien adaptiert und österreichweit bereitgestellt. In diesem Kontext beteiligten sich zusätzlich etwa 375 Citizen Scientists aus 15 Schulklassen, imaginierten Zukünfte lokaler, regionaler und globaler Lebensmittelsysteme und dokumentierten zukunftsweisendes im eigenen Alltag. Die Beiträge der Citizen Scientists verdeutlichen ein ausgeprägtes Bewusstsein für ökologische und soziale Herausforderungen sowie konkrete Ansprüche an wünschenswerte Ernährungszukünfte, darunter Lebensmittelwertschätzung, transparente Herkunftsangaben, verpackungsarme Alternativen und gerechtere Zugänge zu nachhaltigen Lebensmitteln unter österreichischen Jugendlichen.

Die Projektergebnisse verdeutlichen, dass Photovoice transformatives Potenzial sowohl für als geographische Forschungs- wie auch Bildungspraxis bereithält. Sie machen darüber hinaus auch sichtbar, wie tief Ernährungspraktiken in Routinen, Bedeutungen und materiellen Rahmenbedingungen verankert sind und wie Jugendliche diese reflektieren, hinterfragen und kreativ weiterdenken. Zugleich zeigen sie, dass nachhaltige Ernährung nicht allein individuelle Entscheidungen betrifft, sondern strukturelle Änderungen im Lebensmittelsystem erfordert. Das Projekt erschloss sowohl Transformationsideen und -strategien aus Sicht österreichischer Jugendlicher und setzte andererseits Impulse für transformatives Lernen und politische Bildung im Kontext von Nachhaltigkeit in der Schulpraxis.

Dieses Projekt ist bereits abgeschlossen.

Weltkugel als Apfel bei dem abgebissen wurde
© Illustratorin: Sarah Heuzeroth

Forschungsprojekt
1. Ausschreibung


Projektleiter
Ass.-Prof. Dr. Fabian Pettig
Wissenschaftliche Einrichtungen
Laufzeit
01.10.2022 – 30.09.2025
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