GEDMIG
Vielsprachiges Gedächtnis der Migration. Schüler/innen und Studierende führen intergenerationelle Interviews.
Im partizipativen Oral-History-Projekt „Vielsprachiges Gedächtnis der Migration“ (GEDMIG) führten Schülerinnen und Schüler ab der 9. Schulstufe sowie Studierende intergenerationelle Interviews mit Migrantinnen und Migranten – in insgesamt 20 verschiedenen Sprachen. Ziel des Projekts war es, migrantische Lebensgeschichten und Mehrsprachigkeit sichtbar zu machen und einen Beitrag zur Schließung bestehender Repräsentationslücken in österreichischen Archiven zu leisten, in denen migrantische und postmigrantische Gruppen sowie deren Sprachen bislang stark unterrepräsentiert sind.
Im Rahmen des Projekts wurden rund 100 lebensgeschichtliche Interviews aufgezeichnet, zwei Drittel sind Audio-Interviews, ein Drittel Video-Interviews. Sie werden in der Österreichischen Mediathek archiviert, katalogisiert und überwiegend online veröffentlicht. Alle Interviews, die nicht auf Deutsch oder Englisch geführt wurden, wurden ins Deutsche übersetzt und untertitelt. Diese Sammlung leistet einen Beitrag zu einem österreichischen „Archiv der Migration“. Sie schreibt die Lebensgeschichten von Migrantinnen und Migranten – ebenso wie ihre Erstsprachen – in das nationale Kulturerbe ein und macht sie sowohl der Forschung als auch einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich. Die Online-Ausstellung in der Mediathek wird eine Auswahl an Interviewausschnitten unter thematischen Aspekten präsentieren, die den Charakter des Projekts und einige wichtige Schwerpunkte der entstandenen Interviews exemplifizieren.
Die Kooperation mit Schülerinnen und Schülern erfolgte im Rahmen von Jahresprojekten, jene mit Studierenden im Rahmen eines Seminars oder Proseminars. Beteiligt waren überwiegend Gymnasien oder Fachschulen. Auf universitärer Ebene nahmen Lehramtsstudierende sowie Studierende im Fachbereich Deutsch als Fremd- und Zweitsprache teil.
Alle beteiligten Citizen Scientists wurden in die Methode der Oral History sowie in die Praxis der Interviewführung eingeschult. Sie ermittelten in ihrem familiären Umfeld, Freundes- und Bekanntenkreis mögliche Interviewpartnerinnen und -partner, die sonst für die Forschung schwer erreichbar wären, führten erste Kontaktgespräche und klärten über das Projekt und dessen Zielsetzung auf. Die Interviewfragen wurden gemeinsam im Klassenverband oder in der Lehrveranstaltung entwickelt und anschließend in kleinen Teams auf die jeweiligen Interviewten präzisiert bzw. abgestimmt. Die Teams führten die Interviews selbst durch, wobei nahe Angehörige ausgeschlossen waren. Ausschnitte der fertigen Interviews wurden gemeinsam präsentiert und gemeinsam reflektiert. Lehramtsstudierende besprachen insbesondere die Erfahrungen der Gesprächsführung und die Inhalte der migrationsbiografischen Erzählungen in Relation zum migrationsbedingt vielfältigen „Klassenzimmer“.
Einem großen Teil der jungen Citizen Scientists, die eine andere Erstsprache als Deutsch sprechen, boten die Interviews erstmals im Bildungskontext die Gelegenheit, diese Sprachen gezielt einzusetzen und als wertvolle Ressource sowie als Bildungskapital bestätigt zu sehen.
Dieses Projekt ist bereits abgeschlossen.
Projektwebsites
Pressespiegel
-
"Erzähl mir deine Lebensgeschichte!" (Öffnet in neuem Fenster)2025-03-12, Emerging Linguistics
-
Vielsprachiges Gedächtnis: Migrationsbiografien von „Gastarbeiter:innen" (Öffnet in neuem Fenster)2025-01-29, AMS Forschungsnetzwerk
-
„Eure Sprache, meine Sprache, das Land meiner Kinder“ (Öffnet in neuem Fenster)2025-01-01, Emerging Linguistics
Publikation
-
Imamovic Edna, Traska Georg: Ein Positionspapier (Öffnet in neuem Fenster)2025-11-30, Zeitschrift für Deutsch im Kontext von Mehrsprachigkeit2025/41
-
Traska Georg: A Participatory Oral History Project in Austria (Öffnet in neuem Fenster)2025-11-30, Journal of Elementary Education2024/17
Beteiligte Schulen
Partner aus Wirtschaft und Gesellschaft
Wissenschaftliche Einrichtungen