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Biodiversität der Elritzen Österreichs

Kleine Fische ganz groß

 

Elritzen (Phoxinus spp.) sind kleine Schwarmfische, die in kühlen, sauerstoffreichen Fließ- und Stillgewässern vorkommen. Da sie äußerlich nur schwer zu unterscheiden sind, wurde lange angenommen, dass in Europa nur eine Art existiert: „Phoxinus phoxinus“ – die Eurasische Elritze. Genetische Analysen zeigen jedoch eine deutlich größere Vielfalt mit mehreren Arten und genetischen Linien. Elritzen spielen eine zentrale Rolle im Nahrungsnetz und reagieren sensibel auf Umweltveränderungen. Klimawandel, steigende Wassertemperaturen und nicht heimische Arten setzen ihre Bestände unter Druck. Jüngste Studien zeigen, dass in Österreich vier Elritzenarten vorkommen. Analysen von Museumsmaterial aus der Fischsammlung des Naturhistorischen Museums Wien belegen, dass drei Arten (P. csikii, P. lumaireul, P. marsilii) natürlich vorkommen, während „P. phoxinus“ aus Nordeuropa eingeschleppt wurde.

Es lagen jedoch zu wenige Daten vor, um Elritzen in Österreich nachhaltig zu schützen. Nicht nur Zeit- und Geldmangel stellen Wissenschaftler:innen vor Herausforderungen, auch bürokratische Hürden erschweren die Datenerhebung; beispielsweise erfordert jedes Bundesland eine separate Sammelgenehmigung. Deshalb wurde ein Sparkling-Science-Projekt gestartet, dessen Sammelstrategie sich stark auf Citizen Scientists stützte: Schüler:innen, unterstützt von Wissenschaftler:innen, sowie Freizeitfischer:innen und Fischereivereine, die über entsprechende Genehmigungen verfügen, sammelten die Proben. Auch Feldbiolog:innen waren daran beteiligt. Diese Sammelstrategie erwies sich als sehr erfolgreich: Innerhalb von etwa 2,5 Jahren konnte die Zahl der Probenstandorte von 20 auf 80 erhöht werden. Zudem wurde eine neue Art (P. cf. morella) erstmals für Österreich nachgewiesen. Die Ergebnisse bestätigen eine hohe Biodiversität der Gattung „Phoxinus“: Fünf Elritzenarten besiedeln österreichische Gewässer – drei heimische, eine eingeschleppte und eine mit unklarer Herkunft. Darüber hinaus wurden gemischte Populationen festgestellt, die auf Hybridzonen hindeuten. Um festzustellen, ob es sich tatsächlich um Hybridzonen handelt, wurden weitere Analysen gemacht, die das gesamte Erbgut berücksichtigen. Diese Analysen zeigen, dass die Verbreitungsgebiete sowohl historische Veränderungen von Flusssystemen als auch durch den Menschen verursachte Einführungen widerspiegeln. Die Ergebnisse wurden in zwei wissenschaftlichen Studien veröffentlicht. Die gewonnenen Daten bilden eine fundierte Grundlage für zukünftige Maßnahmen im Elritzen- sowie im allgemeinen Fisch- und Gewässerschutz. Gleichzeitig besteht weiterer Forschungsbedarf, insbesondere aufgrund des Datenmangels bei anderen heimischen Fischarten. Der Vergleich mit Museumssammlungen erwies sich als unverzichtbar, um langfristige Veränderungen in der Biodiversität nachzuvollziehen.

Im Projekt Kleine Fische ganz groß – Biodiversität der Elritzen Österreichs wurden mehr als 800 Schüler:innen im Alter von 6 bis 18 Jahren aus Tirol, Oberösterreich, der Steiermark und Wien in den wissenschaftlichen Prozess eingebunden und konnten Wissenschaft aktiv erleben. Für sie sowie für beteiligte Fischer:innen brachte das Projekt einen spürbaren Mehrwert: Sie vertieften ihr Wissen über Biodiversität, erweiterten ihre praktischen Fähigkeiten in der Probenahme und erhielten unmittelbare Einblicke in wissenschaftliche Arbeitsweisen. Für Feldbiolog:innen wurde deutlich, dass bei Elritzen mit einer höheren Biodiversität zu rechnen ist, die im Feld oft nicht eindeutig bestimmbar ist. Das Projekt hat zudem gezeigt, dass Citizen Scientists erfolgreich zur Biodiversitätsforschung beitragen können, wenn klare Anleitungen und niederschwellige Rückmeldemöglichkeiten vorhanden sind. Die strukturierte Kombination aus angeleiteter Probenahme, wissenschaftlicher Analyse und offener Kommunikation eignet sich darüber hinaus als Modell für weitere Süßwasserorganismen wie Kleinfische, Amphibien oder Wirbellose. Insgesamt zeigt das Projekt, dass öffentliches Engagement und wissenschaftliche Expertise sich ideal ergänzen, um Österreichs Biodiversität besser zu verstehen und zu schützen – und dass Citizen Science langfristig Umweltbewusstsein, Verantwortungsgefühl und gesellschaftliche Teilhabe stärkt.

 

Dieses Projekt ist bereits abgeschlossen.

Fisch (Elritze) im Wasser
© NHM Wien/Thomas Mikschi

Forschungsprojekt
1. Ausschreibung


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