Die Podiumsgäste präsentierten unterschiedliche Praxisbeispiele: Philipp Schrögel stellte das Projekt „Heimspiel Wissenschaft“ vor. Dabei kehren Forschende in ihre Herkunftsorte zurück und sprechen dort – etwa in Vereinsheimen oder Gemeindesälen – über ihre Arbeit. Ziel ist es, Wissenschaft nicht als etwas „von außen Kommendes“ erscheinen zu lassen, sondern persönliche Zugänge zu schaffen. Schrögel betonte, dass klassische Wissenschaftsveranstaltungen häufig ein älteres und akademisch geprägtes Publikum erreichen, während viele Bevölkerungsgruppen ausgeschlossen bleiben. Formate wie „Heimspiel Wissenschaft“ sollen diese Hürden abbauen und neue Dialogräume eröffnen.
Ursula Liebmann vom Büchereiverband Österreichs sprach über die Rolle öffentlicher Bibliotheken als soziale und konsumfreie Begegnungsorte. Bibliotheken seien heute weit mehr als reine Ausleihstellen: Sie bieten Raum für Workshops, Vorträge, Diskussionen und Citizen-Science-Projekte und erreichen dadurch sehr unterschiedliche Zielgruppen. Gerade im ländlichen Raum könnten Bibliotheken wichtige Orte für Austausch, Wissensvermittlung und gesellschaftliche Teilhabe sein.
Robert Obermeier präsentierte das Projekt „Orte des Gedenkens“, das regionale Erinnerungskultur sichtbar macht. In mehreren Salzburger Bezirken entstehen temporäre Gedenkorte für den Widerstand gegen den Nationalsozialismus. Das Projekt verbindet historische Recherche, Kunst im öffentlichen Raum und Vermittlungsarbeit mit Schulen und Gemeinden. Obermeier schilderte, wie wichtig die Zusammenarbeit mit lokalen Initiativen, Museen und Gemeinden sei, um sensible historische Themen gemeinsam aufzuarbeiten und Menschen vor Ort aktiv einzubinden.
Eveline Selberherr stellte ihr Sparkling-Science-Projekt „Micro Tramper“ vor, das neue Wege der Wissenschaftskommunikation im ländlichen Raum beschreitet. Mit ihrem Team geht sie bewusst dorthin, wo Menschen ohnehin zusammenkommen – etwa auf regionale Veranstaltungen, Messen oder Viehmärkte. Dort wird Wissenschaft niederschwellig und alltagsnah vermittelt. Ziel ist es, mit Menschen ins Gespräch zu kommen, die klassische Wissenschaftsveranstaltungen oft nicht besuchen würden.
Die Diskussion zeigte insgesamt, dass erfolgreiche Wissenschaftskommunikation im ländlichen Raum vor allem persönliche Begegnungen, regionale Verankerung und lebensnahe Formate braucht. Entscheidend sei, Wissenschaft nicht nur zu vermitteln, sondern Räume für Austausch, Beteiligung und gemeinsames Lernen zu schaffen.
Die Aufzeichnung der Veranstaltung ist hier zum Nachschauen verfügbar.