Digitalisierung
Digitale Medien sind aus nahezu allen gesellschaftlichen Bereichen nicht mehr wegzudenken. Hochschulen stehen daher vor der Aufgabe, sich aktiv und strategisch mit der digitalen Transformation auseinanderzusetzen. Besonders deutlich trat diese Entwicklung im Zuge der COVID-19-Pandemie zutage, als im Frühjahr 2020 innerhalb kürzester Zeit auf Distance Learning umgestellt werden musste. Diese Situation wirkte als Katalysator für Innovationen und führte an österreichischen Universitäten und Hochschulen zu umfassenden Reflexions- und Veränderungsprozessen, deren Auswirkungen langfristig wirksam bleiben.
Digitalisierung als Transformationsprozess
Die Digitalisierung an österreichischen Hochschulen geht längst über die bloße Übertragung von Vorlesungen in den virtuellen Raum oder die Bereitstellung digitaler Lernmaterialien hinaus. Vielmehr handelt es sich um einen tiefgreifenden Transformationsprozess, in dessen Verlauf digitale Technologien zunehmend sämtliche Bereiche von Lehre und Studium durchdringen und traditionelle Lehr- und Lernformen grundlegend weiterentwickeln.
Dieser Wandel manifestiert sich unter anderem in der verstärkten Verbreitung von Online- und Blended-Learning-Formaten sowie in offenen digitalen Kursangeboten wie Massive Open Online Courses (MOOCs). Darüber hinaus kommen innovative Technologien zum Einsatz, etwa virtuelle Lernumgebungen, in denen Studierende mithilfe von Virtual-Reality-Anwendungen kollaborativ in digitale Räume eintauchen können. Entscheidend ist dabei weniger die Technologie selbst als vielmehr deren didaktisch reflektierter Einsatz mit dem Ziel, die Qualität von Lehre und Studium nachhaltig zu verbessern.
Digitalisierung in Kommuniqués und White Paper
Die Bedeutung der Digitalisierung erstreckt sich auf zahlreiche Dimensionen der Hochschulbildung. Das White Paper „Bologna Digital 2020“ hebt diesen Stellenwert hervor, indem es Digitalisierung als zentrales Handlungsfeld definiert. Ziel ist es, Studierende zum Erwerb von Kompetenzen zu befähigen, die einen reflektierten und produktiven Umgang mit digitalen Technologien ermöglichen. Gleichzeitig sind Studienprogramme gefordert, sich an gesellschaftliche Entwicklungen anzupassen, neue Lernräume zu erschließen und zukünftige soziale Veränderungen mitzudenken. In diesem Kontext werden sechs zentrale Themenbereiche identifiziert: der vorausschauende Umgang mit digitalen Transformationsprozessen, der Erwerb digitaler Kompetenzen, virtueller Austausch und hybride Mobilitätsformate, die Anerkennung formaler und informeller Lernleistungen, Qualitätssicherung sowie die Weiterentwicklung von Lehre und Lernen.
Auch die Tirana Commitments (Tirana Kommuniqué 2024) greifen die Digitalisierung in der Hochschullehre auf. Digitale Entwicklungen sollen unter anderem dazu beitragen, gefälschte Qualifikationen sowie Dienstleistungen im Bereich akademischen Betrugs einzudämmen, beispielsweise durch Initiativen wie die Plattform ETINED. Darüber hinaus wird die Zielsetzung eines innovativen Europäischen Hochschulraums im Kontext einer „green and digital transition“ betont.
Im Kommuniqué wird zudem die wachsende Bedeutung Künstlicher Intelligenz hervorgehoben. Es wird ein verantwortungsvoller, vertrauenswürdiger und auf ethischen Prinzipien basierender Einsatz von KI in Lehre, Studium und Forschung gefordert, der Transparenz, Fairness sowie die Beteiligung und das Wohlbefinden von Studierenden und Lehrenden sicherstellt. Gleichzeitig wird die Bologna Follow-Up Group (BFUG) dazu aufgerufen, die langfristigen Auswirkungen der digitalen Transformation – insbesondere im Hinblick auf Künstliche Intelligenz – auf den Europäischen Hochschulraum systematisch zu berücksichtigen.
Ergänzend verweist auch Annex 1 des Tirana Kommuniqués „EHEA Statements on Fundamental Values“ auf die Notwendigkeit, geeignete Empfehlungen, Rahmenbedingungen und Leitlinien für den Umgang mit Digitalität, insbesondere mit Künstlicher Intelligenz, zu entwickeln.