Franz-Werfel-Tagungen: Themen & Diskurse
Jedes Jahr ergeht an die Stipendiatinnen und Stipendiaten des Franz-Werfel-Stipendienprogrammes eine Einladung zu einem Literatursymposium, der sogenannten Franz-Werfel-Tagung. Die Tagung steht immer unter einem gewissen Thema, zu dem die Werfelianerinnen und Werfelianer ihre Referate halten. Das Thema wird jeweils am Ende der Tagung in der Programmsitzung gemeinschaftlich mit der wissenschaftlichen Leitung für das nächste Jahr festgelegt. Ziel der Tagung sind neben dem wissenschaftlichen Austausch die persönlichen Kontakte unter den Stipendiatinnen und Stipendiaten. Die Franz-Werfel-Tagung stellt einen Fixpunkt im Jahr der Werfelianerinnen und Werfelianer dar. Es erscheint regelmäßig ein Tagungsband. Die Tagungen bieten Gelegenheit zur Vernetzung, zum Austausch sowie zur fachlichen Auseinandersetzung mit den Aspekten österreichischer Literatur zu einem bestimmten Tagungsthema.
Franz-Werfel-Tagung 2026
Die jährlichen Tagungen geben Gelegenheit zur Vernetzung, zum Austausch sowie zur fachlichen Auseinandersetzung mit den Aspekten österreichischer Literatur zu einem bestimmten Tagungsthema. Die nächste Fachtagung der Franz-Werfel-Stipendiatinnen und Stipendiaten findet am 13. und 14. März 2026 in Wien zum Thema “Historie erzählt” statt:
Wir werden die Geschichte nicht los. Man hat sogar den Eindruck, dass sie durch die neue Zugänglichkeit der Archive im digitalen Zeitalter nähergerückt und so omnipräsent geworden ist, dass die Trennlinie zur Gegenwart zu verblassen scheint. Der gegenwärtige Buchmarkt ist nach wie vor überschwemmt mit akademischen oder populären historiografischen Darstellungen, mit historischen Romanen oder sonstigen literarischen Bearbeitungen historischer Stoffe. Es stellt sich die Frage, ob der Rückgriff auf Geschichtlichkeit aus interesselosem Wohlgefallen an Vergangenheit zu erklären ist, oder ob dabei nostalgische, retrotopische und ganz aktuelle identitäts- und kulturpolitische Motivationen im Spiel sind. Heute wie auch in früheren Epochen bleibt die Frage relevant, ob die Geschichte in solchen Darstellungen einen “antiquarischen” (F. Nietzsche) Stellenwert hat, oder als Schauplatz menschlicher Möglichkeiten (F. Schiller) inszeniert wird, oder sich “gegen den Strich” (W. Benjamin) lesen lässt. Vielleicht ist es an der Zeit, wieder nachzuzeichnen, wie sich die österreichische Literatur und Kultur angesichts älterer und vor allem neuerer historiografischer Debatten der Geschichte annimmt. Die Historie spielte spätestens seit Grillparzer, dessen historische Dramen zeitlich mit der literarischen Nobilitierung des historischen Romans im frühen 19. Jahrhundert zusammenfielen, eine zentrale Rolle in der österreichischen Literatur.
Die Tagung will der Ausdifferenzierung historischer Narration und Bilder nachgehen, indem die unterschiedlichen Ausgestaltungen – wie in traditionellen und (post)modernen historischen Romanen, (fiktionalisierten) Biografien, Dramen und Lyrik sowie in Filmen und Comics – im hoch- und populärkulturellen Bereich unter die Lupe genommen werden. Engerer Fokus kann auch auf feministische Tendenzen, interkulturelles Erzählen und auf para- und alternativgeschichtliche Darstellungen ebenso gelegt werden, wie auch auf die literarisch-künstlerischen Thematisierungen von Global- und Naturgeschichte sowie auf das Nachleben der Imperiendiskurse, insbesondere des Habsburgischen Mythos.
Seit vielen Jahren fixer Bestandteil der Tagung ist die „Wendelin-Schmidt-Dengler-Lesung“ zu Ehren des ehemaligen wissenschaftlichen Programmleiters Wendelin Schmidt-Dengler, der das Stipendium geprägt und die Werfelianerinnen und Werfelianer bis zu seinem frühen Tod begleitet hat. Heuer konnte DANIEL WISSER gewonnen werden, am 13. März 2026 abends im Literaturhaus aus seinem Werk zu lesen.
Die Themen der Franz-Werfel-Tagungen, die seit 1997 für sich stehend, oder im Rahmen anderer Symposien wie z.B. im Jahre 2000 innerhalb des 10. Internationalen Germanistenkongresses stattfanden, waren:
- 2025: Rausch und Ekstase in der österreichischen Literatur | Programm | OeAD, Wien
- 2024: Literatur und Ideologie: Narrative der Macht und der Gewalt | Programm | OeAD, Wien
- 2023: Mehrsprachigkeit. Polyphonie | Programm | OeAD, Wien
- 2022: Andere Wirklichkeiten. Pararealitäten in der österreichischen Literatur | Programm | OeAD, Wien
- 2021: Spielarten des Realismus | Programm | Zoom online
- 2020: Absage der Tagung wegen Covid19-Pandemie
- 2019: Leichte und schwere Literatur | Programm | Literaturhaus Wien
- 2018: Grenze: Flucht und Widerstand. Literarische Antworten auf ein politisches Thema | Programm | Literaturhaus Wien
- 2017: Literatur als Erotik. Beispiele aus Österreich | Programm | Literaturhaus Wien
- 2016: Sinn - Unsinn - Wahnsinn. Beispiele zur österreichischen Kulturgeschichte | Programm | OeAD, Wien
- 2015: Medium – Medialität – Intermedialität Beiträge zur österreichischen Kulturgeschichte | Programm | OeAD, Wien
- 2014: Ende einer Ära. 1914 in den Literaturen der Donaumonarchie und ihrer Nachfolgestaaten | Wien
- 2013: Reise und Raum - Ortsbestimmungen der österreichischen Literatur | Programm | OeAD, Wien
- 2012: Franz Werfel - Werk und Wirkungen | Programm | OeAD, Wien
- 2011: Traum und Trauma. Kulturelle Figurationen in der österreichischen Literatur | Programm | OeAD, Wien
- 2010: Gedichte und Geschichte. Zur poetischen und politischen Rede in Österreich | Programm | Österreichische Gesellschaft für Literatur, Wien
- 2009: Übersetzung als Interpretation –Interpretation als Übersetzung | Programm | Österreichische Gesellschaft für Literatur, Wien
- 2008: Hauptwerke der österreichischen Literatur aus der Sicht der internationalen Literaturwissenschaft | Wien
- 2007: Von Aichinger bis Zeemann - Mosaiksteine einer österreichischen Literaturgeschichte im nicht-deutschsprachigen Raum | Wien
- 2006: Literaturgeschiche(n) - Wozu? | Wien
- 2005: Kanonbildung österreichischer Literatur im nicht-deutschsprachigen Ausland | Wien
- 2004: Zwischen Sprachen unterwegs | Wien
- 2003: Hermann Broch & Elias Canetti | Wien
- 2002: Heimito von Doderer Sympsoion | Prein an der Rax
- 2001: Kafka-Symposium 2001 | Klosterneuburg
- 2000: Zeitenwende - Die Germanistik auf dem Weg vom 20. ins 21. Jahrhundert | 10. Internat. Germanistenkongress, Wien, IVG-Tagung (Internationale Vereinigung für Germanische Sprach- und Literaturwissenschaft)
- 1999: Literatur der Geschichte des Ich | Tagung der ÖGG, Salzburg
- 1998: Germanistik im Spannungsfeld zwischen Philologie und Kulturwissenschaft | Tagung der ÖGG
- 1997: Hier spricht die Dichterin. Wer? Wo? Zur Konstitution des dichtenden Subjekts in der neueren Literatur | 37. Literaturtagung des Institutes für Österreichkunde, Tagung St. Pölten