Wissen und Entwicklung

Windrad aus Karton vor Betonmauer © OeAD/Gianmaria Gava

"Entwicklung" wird als ganzheitliches Konzept verstanden, das die Lebensqualität der Menschen insbesondere in Less- und Least Developed Countries innerhalb ihrer eigenen kulturellen Rahmenbedingungen zu verbessern sucht. Die "Grenzen des Wachstums" verdeutlichen, dass sich die Lösung globaler ökologischer Probleme ohne globalen sozialen Interessensausgleich – insbesondere durch Reduktion der absoluten Armut – nicht denken lässt. Dieser Entwicklungsdiskurs problematisiert die Frage nach dem Verhältnis zwischen industrialisierten und ärmsten Ländern ebenso, wie jene nach "wünschenswerten" Wissensbeständen. Internationalisierung der Wissenschaften im Kontext entwicklungsrelevanter transnationaler Fragestellungen bedeutet auch die vorurteilsfreie Auseinandersetzung mit unterschiedlichen Wissensmodellen.

Entwicklungsforschung ist ein inter- und transdisziplinärer Wissenschaftsbereich. Auf Basis empirischer Studien werden entwicklungsrelevante Analysen und Problemlösungen für infrastrukturschwache und armutsbedrohte Länder, Gesellschaften und Regionen erarbeitet. Der thematische Rahmen und die entwicklungspolitischen Zielsetzungen der Entwicklungsforschung sind durch die nachhaltigen Entwicklungsziele der Vereinten Nationen (UN-Sustainable-Development-Goals, SDGs) definiert. Forschungen in Kooperation zwischen österreichischen Hochschulen, wissenschaftlichen Einrichtungen und Partnerinstitutionen in Less- und Least Developed Countries werden gefördert und begleitet, die Ergebnisse der wissenschaftlichen Gemeinschaft und der interessierten Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

Die vom BMBWF finanzierte Plattform „The Austrian-African Research Network-UniNet“ wurde gegründet, um langfristige, stabile Kooperationen zwischen österreichischen Hochschulen und afrikanischen Universitäten zu ermöglichen. Das Netzwerk fördert neue Kontakte, wissenschaftliche Kooperationen, auch innovative und partizipative Forschungsprojekte, die sich thematisch auf die SDGs beziehen. Beim 1. Call des Netzwerkes wurden bis Ende September 2020 insgesamt 50 Forschungsanträge eingereicht, 33 davon von Universitäten aus 11 afrikanischen Ländern.

Das Austrian Partnership Programme in Higher Education and Research for Development (APPEAR), das von der Österreichischen Entwicklungszusammenarbeit (OEZA) finanziert wird, hat seit dem Start Ende 2009 45 akademische Partnerschaften zwischen österreichischen Hochschulen und Universitäten und wissenschaftlichen Institutionen in den Schwerpunktländern und -regionen der (OEZA) realisiert und ca. 180 Studierende in Master- und PhD-Programmen betreut. Ab Dezember 2020 wird die 3. Phase des APPEAR-Programmes mit einer Laufzeit von weiteren sieben Jahren implementiert.

Das 2019 erstmals ausgeschriebene, vom BMBWF finanzierte Programm Kooperation Entwicklungsforschung ist ein Förderprogramm zur Unterstützung von Entwicklungsforschungsprojekten. Ziel ist es, anwendungsorientierte Kooperationsprojekte österreichischer Hochschul- und Forschungseinrichtungen mit Einrichtungen in Ländern des Globalen Südens zu unterstützen, um damit zur Analyse und Lösung lokaler Herausforderungen sowie zur Erreichung der Sustainable Development Goals (SDGs) beizutragen. Gefördert werden Mobilitäts- und Sachkosten von Forschenden an österreichischen und internationalen Partnerhochschulen und Forschungseinrichtungen im Rahmen von ein bis dreijährigen Forschungsprojekten.

Der Bereich Wissenschaft und Forschung für Entwicklungszusammenarbeit verfasst und ermöglicht Publikationen, organisiert Veranstaltungen wie etwa entwicklungspolitische Filmtage, öffentliche Informations- und Diskussionsveranstaltungen, produziert Radiosendungen (2 x pro Monat) unter dem Titel "Welt im Ohr" in Kooperation mit ORF Ö1 Campus und vernetzt sich national wie international mit thematisch relevanten Initiativen und Institutionen. Ziel der Vernetzung und Öffentlichkeitsarbeit ist es, zur Weiterentwicklung einer Kultur der Zusammenarbeit zwischen Österreich und den Partnerländern beizutragen, die auf den jeweiligen Stärken der Partner aufbaut und der Prämisse "auf Augenhöhe" gerecht wird.

Die Kommission für Entwicklungsforschung (KEF) konnte bis Ende 2018 102 Projekte in 41 afrikanischen, asiatischen und lateinamerikanischen Ländern realisieren, wobei die inhaltlichen Schwerpunkte auf Umwelt, Land- und Forstwirtschaft, Gesundheit, Wasser und sozialwissenschaftlichen Fragen gelegen sind.